Nach Familien- und Hunde-Communities durfte natürlich auch eine Do-it-yourself-Community nicht fehlen. Das Vorbild kommt aus den USA: instructables heisst dort das Flickr/YouTube für Heimwerker-Projekte. In Deutschland versuchen sich an dieser Idee EXPLI, wawerko sowie die von Bosch gegründete Plattform 1-2-do. Wir haben die 4 Seiten etwas näher angeschaut.
Das Original instructables kommt aus den USA und wurde bereits 21.07.2005 gestartet, was sich auch an der Anzahl von gut 32′000 Anleitungen bemerkbar macht, womit instructables die grösste der hier vorgestellten Seite ist.
Beim Publizieren von Anleitungen bzw. Projekten lassen sich Dateien und Videos von Portalen wie Youtube oder Vimeo einbinden. Weiter steht eine flickr-import Funktion zur Verfügung.
Praktisch sind hier beim durchstöbern der Anleitungen die sogenannten ‘Guides’, was ein Äquivalent zu Twitters Listen sind, also von Benutzern erstelle Kategorien, welche verschiedene Anleitungen zu einem selbstdefinierten Begriff zusammenfassen. Sämtliche Anleitungen können als Widget in eine Webseite eingefügt werden.
Auf dem Profil werden die üblichen verdächtigen Informationen angezeigt: Infos zum Benutzer, publizierte Anleitungen (inkl. Bewertungen), etc. Wie in Youtube kann man Veröffentlichungen anderer Benutzer abonnieren. Für verschiedene Errungenschaften (z.B. im Newsletter von instructables erwähnt oder Gewinner eines Contests) werden auf dem Profil ‘Achivements’ angezeigt. Desweiteren werden auch Patches eingeblendet, die eine Art Respekt-Bekundungen von anderen Mitgliedern für einer bestimmten Anleitungen sind.
Favoriten kann man leider nur als Premium-Mitglider abspeichern, was für den eingefleischten Heimwerker preiswerte 1.95$ pro Monat kostet.
Offizieller Launch von Expli war 03.12.2009, 07.08.2008, aktuell sind gut 3′000 Anleitungen verfügbar. Damit ist Expli die grösste deutschsprachige DIY-Community in diesem Vergleich.
Der Editor zum Beschreiben der Projekte ist bedienungsfreundlich und übersichtlich gestaltet und es stehen in etwa die gleichen Funktionen wie bei instructables zur Verfügung.
Beim durchstöbern der pulizierten Anleitungen ist es etwas Schade, dass man gefundene Favoriten nicht abspeichern kann.
Auch hier gibt es für jeden Benutzer ausführliche Profil-Infos die angezeigt werden. Als neues Mitglied ist man zuerst ‘Neueinsteiger’ und kann sich dann z.B. zu einem ‘Enthusiasten’ hocharbeiten. Ebenso werden auch hier die Errungeschaften wie z.B. ‘Gewinner beim Halloween Wettbewerb’ eingeblendet. Die Benutzer können sich untereinander verknüpfen indem man Fan eines Benutzers werden kann. Etwas schade dass man hier nicht das Abo-Prinzip angewandt wird und man so im Kontobereich einen Überblick der Anleitungen des ‘bewunderten’ Benutzers hätte. Wie bei instructables gibts auch hier ein Diskussionsforum.
Im Footer fast etwas versteckt untergebracht gibt es auf Expli als nette Zusatzfunktion eine Baumarkt-Suche, mit welcher man regional (auf Deutschland begrenzt) eine Filiale der grossen Baumarkt-Ketten wie Hornbach, OBI oder Praktiker suchen kann.
Launch von wawerko war 08.08.2008 und aktuell sind über 700 Anleitungen online.
Zu den Anleitungen wird auch hier eine Einschätzung des Zeitbedarfs und eine Einschätzung des Schwierigkeitsgrades der Umsetzung angeben.
Bei Wawerko vernetzt man sich über das Hinzufügen von Freunden (Buddies). Projekte des Buddy kann man dann über sein Profil einsehen. Auch wieder etwas Schade, dass nicht wie bei instructables die entsprechenden Projekte gleich im Kontobereich angezeigt werden. Anders als bei Expli kann man hier jedoch Favoriten abspeichern. Je nach Anzahl veröffentlichter Anleitungen steigt man auch hier in der Benutzer-Hierarchie auf. Etwas unklar sind aber die verschiedenen Abstufungen: Pinkys Meister oder Bastelwastels Meister als Titel sind für ein neues Mitglied relativ schwer einzuordnen.
Auf Wawerko ist ebenfalls ein Forum verfügbar, wo unterschiedliche Themen diskutiert werden.
Launch von 1-2-do war 08.08.2008 und aktuell sind gut 300 Projekte online. 1-2-do ist eine von der Firma Bosch gegründete Community. Bosch ist bereits mit der Webseite bosch-do-it.de vertreten, welche bisher lediglich Projekte publiziert hat. 1-2-do ist sozusagen bosch-do-it reloaded mit einer Prise Social Network.
Wie bei den anderen Communities kann man hier Projekte bzw. Anleitungen einstellen. 1-2-do hat hier aber explizit den Fokus auf Heimwerkern oder Kreatives/Verschönern. Auch nicht verwunderlich, da die Seite primär ein Marketing-Instrument von Bosch ist und Bohrmaschinen halt relativ wenig mit z.B. Kochrezepten zu tun haben.
Anders als bei den anderen Seiten kann man hier aber auch bloss sein Projekt vorstellen ohne eine Bauanleitung zu liefern. Eigentlich noch ein interessanter Ansatz, da einerseits Bastler vielleicht bloss etwas Bewunderung für ihr Werk suchen ohne gleich eine Bastelanleitung schreiben zu wollen, und andererseits nicht jedes Projekt auch gleich nachgebaut, sondern z.B. wie Fotos auf Flickr einfach bestaunt werden möchte.
Leider kann man hier aber weder Veröffentlichungen von anderen Benutzern abonnieren und auch keine Favoriten abspeichern. Eigentlich komisch, hat man bei 1-2-do doch einen starken Fokus auf die Community gelegt. Wie bei Facebook oder Twitter kann man die Seite nach Mitgliedern absuchen und als Kontakt hinzufügen, wobei nach verschiedenen Interessengebieten/Fertigkeiten (Elektrowerkzeuge, Kreativ Basteln, etc.) gefiltert werden kann. Im Kontobereich gibt es einen Live-Stream mit den neusten Aktivitäten seiner Kontakte. Selbst die Statusmeldungen (‘gerade an meiner neuen Hunde-Hütte dran’) fehlen hier nicht.
Auch schon fast ein Standard-Feature: man kann für verschieden Aktionen (Projekt einstellen, Thema im Forum eröffnen, etc.) Punkte sammeln und so in der Benutzer-Hierarchie aufsteigen. Falls einem ein Projekt oder Forumbeitrag besonders gut gefällt, kann man dafür seine Stimme abgeben. Neben dem obligatorischen Diskussionsforum gibt es hier zudem ein Heimwerker-Wiki.
Zusammenfassung
Auf den DIY-Communities sind einige ziemlich interessante Anleitungen zu finden. Auch blosses Durchstöbern der teilweise äusserst kreativen Projekte bzw. Anleitungen hat einen gewissen Unterhaltsungswert.
Als eingefleischter Bastler, Tüftler und Heimwerker ist man hier gut aufgehoben und kann sich mit gleichgesinnten austauschen, was primär auch der Zweck einer solchen Community sein soll.
Grösste Herausforderung für die DIY-Communities wird es wohl sein, vom Aufmerksamkeitsbudget der Benutzer ein Stück abzuschneiden und gegen grosse Portale wie Videojug, Howcast, YouTube oder scribd anzutreten. Für viele Problemstellung im DIY-Bereich gibt es dort nämlich bereits zahlreiche Anleitungen.
Ob der Vorteil einer lokalen bzw. Deutschen Version und der Fokus auf die Nische do-it-yourself aufgeht wird sich zeigen.