Immer mehr HausbesitzerInnen in der Schweiz kaufen Baumaterial im Ausland wegen teils spürbarer Preisunterschiede. Im Anschluss sollen Schweizer Handwerksbetriebe «nur noch» die Montage übernehmen. Eine Umfrage der Handwerkerplattform Ofri unter 86 Schweizer Handwerksbetrieben zeigt: Solche Anfragen sind verbreitet. Ein grosser Teil der Betriebe lehnt die Montage aber wegen Risiken ab.
Jeder dritte Betrieb erhält Anfragen für die Montage von Materialien aus dem Ausland In der Umfrage geben 33.7 Prozent der Betriebe an, dass sie solche Anfragen erhalten. Die Bauherrschaft liefert dabei Material aus dem Ausland. Der Betrieb soll «nur noch» montieren. Dabei geht es vorrangig um Sanitärobjekte, Fenster, Türen, Küchenkomponenten, Parkett und Klimaanlagen.

Knapp über die Hälfte (51.7 Prozent) der befragten Handwerkerbetriebe berichten, dass sie bauseits geliefertes Material aus dem Ausland nicht einbauen und solche Aufträge ablehnen.
Liefert die Bauherrschaft das Material, kann der Handwerker weder Qualität noch Lieferung kontrollieren. Die Haftung für den Einbau bleibt aber bei ihm. Gibt es später Probleme, ist oft unklar: War das Material schlecht oder die Montage? Für 31 Prozent der Betriebe ist das der wichtigste Ablehnungsgrund.
Weitere Faktoren, die den Betrieben solche Aufträge erschweren, sind fehlende Normkonformität (17.2 Prozent), Qualität, Materialmängel und damit einhergehender Mehraufwand (17.2 Prozent). Falsche Masse, fehlende Teile und unklare Dokumentation verursachen Nacharbeiten und Verzögerungen.
Bei den Risiken für die Bauherrschaft steht Garantie, Reklamation und Ersatz an erster Stelle (41.4 Prozent). Es folgen Qualitätsmängel (20.7 Prozent), Mehraufwand, Verzögerungen und organisatorische Probleme (20.7 Prozent) sowie Normen und Passgenauigkeit (13.8 Prozent).
Ofri-Bauleiter Martin Bonauer betont: «Der Schlüssel für Hausbesitzer ist, nie etwas zu bestellen, ohne es vorher mit dem ausführenden Handwerkerbetrieb abgesprochen zu haben.»

Als besonders heikel werden in der Umfrage Sanitärobjekte (51.7 Prozent), Fenster und Türen (44.8 Prozent), Parkett (41.4 Prozent), Küchen (37.9 Prozent), Klimaanlagen (27.6 Prozent) und Photovoltaik (24.1 Prozent) angeführt.
Als klassisches Beispiel aus dem Sanitärbereich erwähnt Philipp Noranil von der «Hustechnik GmbH» die häufig aus dem Ausland billig eingekauften Badezimmerarmaturen. Da passen meist die Anschlussnormen oder die Gewinde nicht zu den in der Schweiz üblichen Wandanschlüssen. Durch den Mehraufwand kostet es die Kundschaft am Ende das Dreifache.
Bei importierten Klimaanlagen besteht beispielsweise das Risiko, dass Nachweise fehlen oder dass sie nicht ohne Weiteres zu Schweizer Vorgaben und Anschlussbedingungen passen. Dann wird es bei Anmeldung, Bewilligung oder Abnahme schnell kompliziert.
Fenster und Türen gelten insbesondere aufgrund von abweichenden Normmassen oder Einbautiefen als problematisch. Diese können Zusatzaufwand bei Heizung und Bodenaufbau, Storen, Elektrik, Metallbau oder Gipseranschlüssen auslösen. Ohne saubere Koordination im Voraus folgen oft teure Anpassungen auf der Baustelle.
Ofri-Bauleiter Martin Bonauer verweist auf einen Fall mit günstigen Fenstern aus dem Ausland. Die Bauherrschaft erwarb diese zu einem Kaufpreis von etwa CHF 30’000. Nachträgliche Anpassungen an der Bausubstanz hätten aber Mehrkosten von rund CHF 15’000 ausgelöst.

Ofri ist eine unabhängige Handwerkerplattform aus Zürich. Privatpersonen, Unternehmen und Verwaltungen erstellen dort Aufträge rund um Haus, Garten, Umzug, Reinigung, Entsorgung oder Autoreparaturen. Danach erhalten sie passende Offerten von regionalen Fachbetrieben. Die erwähnte Umfrage hat Ofri im Dezember 2025 durchgeführt. Insgesamt nahmen 86 Schweizer Handwerksbetriebe teil.
Kontakt für Rückfragen: ofri Internet GmbH, Silvia Piangou, 044 520 51 64, [email protected], www.ofri.ch