Schimmel in der Wohnung sorgt oft für dicke Luft zwischen Mietern und Vermietern. Während Verwaltungen meist falsches Lüften als Ursache nennen, sehen Handwerker oft bauliche Mängel als Grund. Eine neue Umfrage der Handwerkerplattform Ofri unter 46 Schweizer Fachbetrieben zeigt: Das Problem betrifft Alt- und Neubauten gleichermassen. Oft entscheiden sich Vermieter und Verwaltungen für die günstigste statt für die nachhaltigste Lösung.

Schimmelbefall führt in der Schweiz oft zu Diskussionen zwischen Mietern und Vermietern. 63.1 Prozent der Handwerker geben an, dass sie bei Schimmelproblemen oft Streitfälle erleben.
Die Fronten sind meist verhärtet: Vermieter werfen den Bewohnern ungenügendes Lüftungsverhalten vor. Mieter hingegen vermuten Baumängel oder eine schlechte Dämmung hinter den schwarzen Flecken an der Wand.
Letztlich mündet die ungeklärte Ursache immer in der gleichen Frage: Wer trägt die Kosten für die Sanierung? Damit wird die Diagnose zum Zankapfel: Wer die Verantwortung trägt, trägt am Ende auch die finanzielle Last der Schimmelsanierung.

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass Schimmel nur in schlecht isolierten Altbauten auftritt. Die Umfrageergebnisse zeichnen ein anderes Bild: 93.5 Prozent der Betriebe stellen Schimmel sowohl in Alt- als auch in Neubauten fest. In Neubauten führen oft eine zu schnelle Belegung nach der Bauphase oder eine extrem dichte Gebäudehülle ohne automatisches Lüftungskonzept zu Problemen. Bei Altbauten sind es hingegen meist Kältebrücken und fehlende Dämmungen an den Aussenwänden.
Shahrokh Akef von der «Swiss Renovation GmbH» erwähnt dazu, dass er das Hauptproblem mehr bei Neubauten als bei Altbauten antrifft. Die Ursache sehe er in unzureichenden Trocknungszeiten des Betons. Kaum sei die fünfjährige Garantiezeit abgelaufen, treten bereits Schimmelprobleme auf. Meist wären dabei die Innenseiten von Aussenwänden betroffen.

In Neubauten identifizieren Handwerker vor allem die Restbaufeuchte als Hauptproblem. In Materialien wie Beton, Estrich und Putz steckt enorme Feuchtigkeit, die oft monatelang austrocknen müsste. Ein zu früher Einzug sowie eine extrem dichte Gebäudehülle ohne automatisches Lüftungskonzept verschärfen die Lage zusätzlich.
Bei Altbauten hingegen sind es laut Umfrage meist klassische Faktoren wie Kondensation, aufsteigende Feuchtigkeit oder mangelhafte Isolierungen, die das Pilzwachstum begünstigen.
Wenn es um die Behebung der Schäden geht, spielt das Budget eine entscheidende Rolle. 60 Prozent der befragten Handwerker erleben, dass Vermieter und Verwaltungen eher einer kostengünstigen Symptombekämpfung, wie etwa Anti-Schimmel-Anstrichen oder Reinigungen, zustimmen.
Eine nachhaltige Ursachenbehebung, insbesondere durch bauliche Veränderungen oder Dämmungen, stossen aufgrund der hohen Kosten oft auf Ablehnung. Nach Meinung von 39 Prozent der Betriebe entscheiden sich Vermieter und Verwaltungen für die letztere Lösung.
Haris Cosic von der «Haus & Handwerk Cosic» erklärt dazu: «Ein einfacher Schimmelanstrich überdeckt das Problem nur kurzfristig. Dabei kommt es auch auf das Ausmass des Schimmelbefalls und die Nutzung des Raums an. In Zimmern, wo die Ursache beispielsweise auf Kältebrücken beruht, kehrt der Schimmel nach ein bis zwei Jahren wieder zurück. In Badezimmern halten entsprechende Produkte den Schimmel laut Herstellerangaben je nach Nutzung des Raums und Lüftungsverhältnissen für drei bis fünf Jahre fern.»

Ob das Problem durch das Wohnverhalten oder die Bausubstanz entsteht, lässt sich klären. Shahrokh Akef von der «Swiss Renovation GmbH» empfiehlt dazu, einen Bauexperten hinzuziehen. Dieser kann die Ursache mithilfe von Wärmebildkamera, Oberflächenfeuchtigkeits- und Oberflächentemperaturmesser erkennen. Die Kosten für eine solche Untersuchung inklusive Gutachten lägen zwischen CHF 500,- und CHF 800,-.
Ofri ist eine unabhängige Handwerkerplattform aus Zürich. Privatpersonen, Unternehmen und Verwaltungen erstellen dort Aufträge rund um Haus, Garten, Umzug, Reinigung, Entsorgung oder Autoreparaturen. Danach erhalten sie passende Offerten von regionalen Fachbetrieben. Die erwähnte Umfrage hat Ofri im März 2026 durchgeführt. Insgesamt nahmen 46 Schweizer Handwerksbetriebe teil.
Kontakt für Rückfragen: ofri Internet GmbH, Silvia Piangou, 044 520 51 64, [email protected]