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Start » Ratgeber » Innenputz – Grundlagen, Arten und Anwendung

Innenputz – Grundlagen, Arten und Anwendung

Innenputz ist weit mehr als nur eine Oberflächenbeschichtung. Er schafft ebene Wände, reguliert das Raumklima, bietet Brandschutz und bildet die Grundlage für Tapeten oder Farbanstriche. Die Wahl des richtigen Putzes hängt von Raum, Untergrund und gewünschten Eigenschaften ab. In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Putzarten es gibt, wofür sie sich eignen und wie Sie Innenwände fachgerecht verputzen.

Ofri Redaktion
12. Januar 2026 - 11 Min. Lesezeit

Frau verputzt Innenwand

  • Warum Innenputz wichtig ist
  • Die wichtigsten Innenputzarten im Überblick
  • Wand verputzen – Schritt-für-Schritt
  • Häufige Fehler vermeiden
  • Profi oder Eigenmontage?
  • Fazit: Die richtige Putzwahl macht den Unterschied

Warum Innenputz wichtig ist

Putz erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig. Er gleicht Unebenheiten im Mauerwerk aus und schafft glatte, ebene Flächen. Das ist die Voraussetzung, damit Tapeten, Anstriche oder Fliesen gut haften und ästhetisch ansprechend sind. Viele Putzarten regulieren aktiv die Luftfeuchtigkeit, indem sie überschüssige Feuchtigkeit aufnehmen und bei trockener Luft wieder abgeben.

Mineralische Putze tragen zum Brandschutz bei. Besonders Gipsputz gibt bei Hitze gespeichertes Wasser ab und verzögert so die Brandausbreitung. Kalkputz wirkt dank seiner Alkalität schimmelhemmend und antiseptisch. Lehmputz wiederum bindet Schadstoffe aus der Raumluft und verbessert das Wohnklima.

Die Wahl der richtigen Putzart entscheidet über Haltbarkeit, Raumklima und spätere Bearbeitungsmöglichkeiten. Nicht jeder Putz eignet sich für jeden Raum.

Die wichtigsten Innenputzarten im Überblick

Putzart Hauptmerkmale Geeignet für Nicht geeignet für
Gipsputz Schnell trocknend, glatte Oberfläche, gute Feuchtigkeitsregulierung Wohnräume, Schlafzimmer, Feuchträume (Bad, Küche) Nassräume (Schwimmbad), Aussenbereiche
Kalkputz Atmungsaktiv, schimmelhemmend, alkalisch Alle Wohnräume, Feuchträume, historische Gebäude Bereiche mit starker mechanischer Beanspruchung
Lehmputz Hervorragende Feuchtigkeitsregulierung, schadstoffbindend, warm Wohn- und Schlafräume, ökologisches Bauen Nassräume, stark beanspruchte Bereiche
Gips-Kalkputz Schnell trocknend, schimmelresistenter als reiner Gipsputz Feuchträume, Wohnräume Nassräume, Aussenbereiche
Kalk-Zementputz Wasserdicht, druckfest, robust Keller, Garagen, Feuchträume Reine Wohnräume (zu hart)

Gipsputz – der Klassiker für Innenräume

Gipsputz ist die meistverwendete Putzart im Innenbereich. Er lässt sich einfach verarbeiten, trocknet schnell und bildet sehr glatte Oberflächen. Die Verarbeitung gelingt auch Heimwerkern gut. Nach etwa einer Stunde ist Gipsputz ausgehärtet, das verkürzt Bauzeiten erheblich.

Die feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften sind ausgezeichnet. Gipsputz nimmt Feuchtigkeit aus der Luft auf und gibt sie bei Trockenheit wieder ab. Das hält die Luftfeuchtigkeit konstant und trägt zu angenehmem Raumklima bei. In Küchen und Badezimmern kann Gipsputz problemlos eingesetzt werden, solange er nach Feuchtigkeitseinwirkung wieder trocknen kann. Schimmeln kann der Auftrag aus Gips ebenfalls nicht, da ihm organische Inhaltsstoffe fehlen.

Nachteil: Gipsputz ist nicht witterungsbeständig und eignet sich nur für Innenbereiche. In Nassräumen mit ständiger Feuchtigkeit wie Schwimmbädern weicht er auf. Auch die mechanische Festigkeit ist geringer als bei Kalk oder Zement.

Verarbeitungstipp: Gips bindet sehr schnell ab. Mischen Sie daher lieber häufiger kleine Mengen an, statt grosse Mengen, die vorzeitig aushärten. Einmal abgebundener Gips lässt sich durch erneute Wasserzugabe nicht wieder verarbeiten.

Kalkputz – natürlich und schimmelhemmend

Kalkputz hat eine jahrtausendealte Tradition und überzeugt durch baubiologische Unbedenklichkeit. Als natürliches Bindemittel ist Kalk atmungsaktiv und reguliert das Raumklima ausgezeichnet. Die Alkalität wirkt antiseptisch und verhindert Schimmel und Algenbildung.

Die diffusionsoffenen Poren nehmen Schadstoffe wie Kohlendioxid aus der Luft auf und bauen sie ab. Kalkputz fungiert quasi als Raumluftfilter. Diese Eigenschaften machen ihn besonders für Feuchträume, Schlaf und Kinderzimmer interessant.

Die Raumwirkung hängt von der Körnung ab. Feiner Kalkputz wirkt edel und glatt, gröbere Strukturen schaffen gediegenes Ambiente. Kalkputz lässt sich modellieren, filzen oder verwaschen und bietet eine grosse gestalterische Vielfalt.

Nachteil: Die Verarbeitung ist anspruchsvoller als bei Gipsputz und erfordert mehr Erfahrung. Kalkputz ist teurer und seine Alkalität baut sich mit der Zeit ab, wodurch die schimmelhemmende Wirkung nachlässt. Reine Kalkputze sind weniger druckfest als zementgebundene Varianten.

Lehmputz – ökologisch und wohngesund

Lehmputz erlebt eine Renaissance, besonders im ökologischen Bauen. Er besteht aus natürlichen Rohstoffen wie Lehm, Ton und Sand ohne chemische Zusätze. Das Material ist biologisch abbaubar und emissionsarm.

Die Feuchtigkeitsregulierung von Lehmputz ist herausragend. Er kann bis zu neunmal mehr Feuchtigkeit aufnehmen als Gipsputz und hält die Luftfeuchtigkeit konstant zwischen 50 und 60 Prozent. Das wird als besonders angenehm empfunden und wirkt vorbeugend gegen Schimmelbildung.

Lehmputz ist zudem ein ausgezeichneter Wärmespeicher. Er gleicht Temperaturspitzen aus und sorgt für ausgeglichenes Raumklima. Zudem bindet er Allergene, Feinstaub und Schadstoffe aus der Luft. Die warme, erdige Optik vermittelt Natürlichkeit und Gemütlichkeit.

Nachteil: Lehmputz ist weicher als Gips oder Kalkputz. An Ecken und Kanten sollten Kantenschutzprofile angebracht werden. Bei anhaltender Feuchtigkeit bietet er keinen Schutz gegen Schimmel, da er wasserlöslich ist. Die Trocknung dauert länger als bei anderen Putzarten und die Verarbeitung erfordert Erfahrung, da sich schnell Risse bilden können.

Gips-Kalkputz – der ausgewogene Kompromiss

Gips-Kalkputz vereint Vorteile beider Bindemittel. Durch den Kalkanteil ist er resistenter gegen Schimmel als reiner Gipsputz und eignet sich besser für Feuchträume. Gleichzeitig bleibt er einfacher zu verarbeiten als reiner Kalkputz.

Er wird vorwiegend als Unterputz auf Mauerwerk verwendet und meist mit Deckputz oder Spachtelung überglättet. Es gibt aber auch Mischungen, die sich direkt filzen und glätten lassen. Die feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften liegen zwischen Gips und Kalk.

Als Untergrund eignen sich Backstein, Kalksandstein, Naturstein, Beton und Porenbeton. In Wohnräumen ist Gips-Kalkputz beständig, für Nassräume oder Aussenbereiche eignet er sich nicht.

Kalk-Zementputz – robust für Feuchträume

Kalk-Zementputz ist durch den Zementanteil druckfest, abriebfest und wasserabweisend. Diese Eigenschaften machen ihn ideal für Keller, Garagen und Feuchträume. Er hält Witterungseinflüssen stand und kann auch im Aussenbereich verwendet werden.

Die Verarbeitung erfolgt als Unter- und Oberputz. Im Gegensatz zu Gips-Kalkputz kann Kalk-Zementputz in beiden Schichten eingesetzt werden. Er ist langlebig und schützt Mauerwerk zuverlässig.

Nachteil: Kalk-Zementputz ist weniger atmungsaktiv als reiner Kalkputz und reguliert Feuchtigkeit schwächer. Für Wohnräume ist er oft zu hart und wird daher vorwiegend in Nebenräumen eingesetzt.

Wand verputzen – Schritt-für-Schritt

Schritt 1: Untergrund vorbereiten

Farbreste werden mit dem Spachtel von Wand entfernt

Gründliche Vorbereitung ist entscheidend für gutes Haften. Entfernen Sie losen Putz, Farbreste und Tapetenreste mit Hammer und Meissel. Bürsten Sie die Wand gründlich ab. Der Untergrund muss trocken, fest, sauber und tragfähig sein.

Prüfen Sie die Tragfähigkeit mit der Klopfprobe. Klopfen Sie mit dem Hammer leicht auf die Wand. Hohle Stellen klingen dumpf und müssen abgeschlagen werden. Füllen Sie grössere Löcher und Vertiefungen mit Reparaturmörtel oder Spachtelmasse.

Decken Sie Boden, Fenster und Türen gründlich ab. Verwenden Sie Malerfolie und Klebeband. Entfernen Sie Steckdosen und Schalter oder decken Sie diese mit Putzdeckeln ab.

Schritt 2: Grundieren

Mann grundiert Wand vor dem Verputzen

Die Grundierung reguliert das Saugverhalten des Untergrunds und verbessert die Haftung. Tragen Sie Tiefengrund mit Quast oder Rolle grosszügig auf. Bei stark saugenden Untergründen wie Kalksandstein ist Grundierung besonders wichtig.

Lassen Sie den Tiefengrund gemäss Herstellerangaben trocknen, meist etwa zwei bis vier Stunden. Die Wand sollte dann schwach saugend sein. Prüfen Sie das Saugverhalten mit dem Wassertest: Spritzen Sie Wasser an die Wand. Zieht es langsam ein, ist die Saugfähigkeit gut. Perlt es ab, ist der Untergrund zu glatt.

Schritt 3: Putzschienen setzen

Putzschiene an Wand

Putzschienen erleichtern das gleichmässige Auftragen erheblich. Sie dienen als Führung für die Kartätsche und helfen, schiefe Wände auszugleichen. Bringen Sie die Schienen im Abstand von etwa 1,50 Metern senkrecht an der Wand an.

Befestigen Sie die Putzschienen mit Spezialmörtel. Tragen Sie Mörtelbatzen auf, drücken Sie die Schiene hinein und richten Sie sie mit der Wasserwaage exakt lotrecht aus. Die Schienen müssen perfekt senkrecht stehen, sonst wird die Wand schief.

An Ecken bringen Sie Eckprofile an. Diese schützen die Kanten und erleichtern das saubere Verputzen. Lassen Sie alles mindestens einen Tag trocknen, bevor Sie mit dem Verputzen beginnen.

Schritt 4: Putz anrühren

Putz wird mit Paddelmischer im Eimer angemischt

Geben Sie immer zuerst Wasser in den Eimer, dann das Putzpulver. Niemals umgekehrt! Halten Sie sich an die Herstellerangaben zum Mischungsverhältnis. Rühren Sie mit Rührquirl oder Mörtelrührer gleichmässig an.

Die Konsistenz sollte cremig sein, nicht zu flüssig und nicht zu fest. Zu flüssiger Putz läuft an der Wand herunter, zu fester lässt sich schlecht verarbeiten. Lassen Sie den Putz nach dem Anrühren kurz ruhen, meist etwa drei bis fünf Minuten.

Mischen Sie nur so viel an, wie Sie in der Verarbeitungszeit schaffen. Bei Gipsputz ist das besonders wichtig, da er nach etwa einer Stunde abbindet.

Achtung bei Gips: Gips bindet sehr schnell ab. Versuchen Sie niemals, bereits abbindenden Putz durch erneute Wasserzugabe wieder zu verflüssigen. Das funktioniert nicht und verschlechtert die Eigenschaften. Mischen Sie lieber häufiger kleine Mengen frisch an.

Schritt 5: Putz auftragen

Putz wird mit der Kelle auf Wand aufgetragen

Tragen Sie den Putz mit der Maurerkelle auf die Wand auf. Arbeiten Sie von unten nach oben und immer zwischen zwei Putzschienen. Werfen Sie den Putz mit schwungvoller Bewegung aus dem Handgelenk an die Wand oder tragen Sie ihn mit der Kelle auf.

Ziehen Sie den Putz mit der Kartätsche glatt. Setzen Sie die Kartätsche unten an und ziehen Sie sie mit gleichmässigem Druck nach oben über die Putzschienen. Der Putz sollte etwa einen bis eineinhalb Zentimeter dick sein.

Arbeiten Sie nass in nass. Bearbeiten Sie eine Wand ohne Unterbrechung, sonst entstehen sichtbare Ansätze. Wenn Sie pausieren müssen, schneiden Sie die Kante schräg an, dann lässt sich nahtlos weiterarbeiten.

Schritt 6: Oberfläche glätten und strukturieren

Wandputz wird geglättet

Lassen Sie den Putz etwa eine bis eineinhalb Stunden anziehen. Er sollte fest, aber noch leicht feucht sein. Glätten Sie die Oberfläche mit einem Maurerschwamm oder Glätter. Befeuchten Sie das Werkzeug regelmässig.

Für glatte Oberflächen ziehen Sie mit dem Stahlglätter nach. Für Strukturen verwenden Sie Reibebrett, Finishwalze oder Pinsel. Die gewünschte Struktur arbeiten Sie ein, solange der Putz noch formbar ist.

Nach vollständiger Trocknung können Sie die Wand tapezieren, streichen oder anderweitig gestalten. Die Trocknungszeit hängt von Putzart, Schichtdicke und Raumklima ab. Gipsputz trocknet in wenigen Tagen, Lehmputz benötigt länger.

Häufige Fehler vermeiden

  • Der häufigste Fehler ist unzureichende Untergrundvorbereitung. Staub, lose Teile oder Fett verhindern gutes Haften. Investieren Sie Zeit in gründliche Reinigung und Grundierung.

  • Fehlende oder falsche Grundierung führt zu Problemen. Stark saugende Untergründe entziehen dem Putz zu schnell Wasser, er bindet nicht richtig ab. Nicht saugende Untergründe bieten zu wenig Haftung.

  • Zu dickes Auftragen in einer Schicht verursacht Risse beim Trocknen. Tragen Sie bei Bedarf lieber zwei dünne Schichten auf. Die erste Schicht muss durchgetrocknet sein, bevor die zweite folgt.

  • Zu schnelles Trocknen durch Heizung oder direkte Sonne führt zu Spannungsrissen. Lassen Sie Putz bei normaler Raumtemperatur langsam durchtrocknen. Vermeiden Sie Zugluft während der ersten Tage.

  • Materialübergänge ohne Dehnfugen führen zu Rissen. Lassen Sie kleine Fugen an Übergängen zwischen verschiedenen Materialien oder Bauteilen. Diese können später mit elastischer Dichtmasse gefüllt werden.

Profi oder Eigenmontage?

Kriterium Selbst verputzen Profi beauftragen
Geeignet für Einzelne Räume, Renovierungen, DIY-Begeisterte Komplette Neubauten, Altbausanierung, grosse Flächen
Erfahrung Übung erforderlich, Einstieg mit Gipsputz möglich Profis kennen alle Techniken und Putzarten
Zeitaufwand zwei bis vier Tage pro Raum (inkl. Vorbereitung und Trocknung) Schnelle, effiziente Ausführung
Kosten Nur Materialkosten (CHF 5.- bis CHF 15.- pro Quadratmeter) Material plus Arbeitskosten (CHF 30.- bis CHF 60.- pro Quadratmeter)
Ergebnis Gut bei sorgfältiger Arbeit und Gipsputz Perfekte, gleichmässige Oberflächen
Werkzeug Grundausstattung selbst zu besorgen Profiwerkzeug und Maschinen vorhanden
Risiko Bei Innenputz überschaubar, Fehler korrigierbar Garantie auf fachgerechte Ausführung

Selbst verputzen lohnt sich bei kleineren Projekten und wenn Sie Freude am Handwerk haben. Gipsputz ist für Heimwerker gut geeignet. Mit sorgfältiger Vorbereitung und Geduld erzielen Sie gute Ergebnisse.

Ein Profi hilft bei grossen Projekten, wenn perfekte Oberflächen gefordert sind oder wenn Sie mit anspruchsvollen Putzarten wie Kalk oder Lehm arbeiten möchten. Fachbetriebe verfügen über Erfahrung, Spezialwerkzeug und können mehrere Räume zügig bearbeiten.

Auf Ofri finden Sie geprüfte Gipser, die Ihnen kostenlose Offerten erstellen. Vergleichen Sie mehrere Angebote und wählen Sie den passenden Betrieb.

Fazit: Die richtige Putzwahl macht den Unterschied

Innenputz erfüllt wichtige Funktionen für Raumklima, Brandschutz und Ästhetik. Die Wahl der richtigen Putzart hängt vom Raum ab: Gipsputz für Wohnräume, Kalkputz für Feuchträume, Lehmputz für ökologisches Bauen, Kalk-Zementputz für Keller.

Mit gründlicher Vorbereitung, dem richtigen Material und etwas Übung können Heimwerker gute Ergebnisse erzielen. Besonders Gipsputz ist anfängerfreundlich. Bei grösseren Projekten oder anspruchsvollen Putzarten lohnt sich professionelle Hilfe.

Investieren Sie Zeit in die Untergrundvorbereitung und Grundierung. Diese Schritte entscheiden über Haftung und Haltbarkeit. Arbeiten Sie sauber, zügig und beachten Sie Trocknungszeiten. So schaffen Sie glatte, dauerhafte Oberflächen als perfekte Grundlage für Ihre Raumgestaltung.

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