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Start » Ratgeber » Keller streichen – Die richtige Farbe gegen Feuchtigkeit und Schimmel

Keller streichen – Die richtige Farbe gegen Feuchtigkeit und Schimmel

Ein frisch gestrichener Keller wirkt einladend und hygienisch. Doch beim Kellerstreichen gibt es entscheidende Unterschiede zu normalen Wohnräumen. Feuchtigkeit und unterschiedliche Bauweisen erfordern die richtige Farbwahl. Mit der falschen Farbe riskieren Sie Schimmelbildung und abblätternde Anstriche.

Ofri Redaktion
12. Januar 2026 - 10 Min. Lesezeit

Ein Handwerker streicht im Keller mit einer Farbrolle eine Wand weiss, daneben sind rohe Betonwand, Leitungen und ein kleines Kellerfenster zu sehen.

  • Altbau oder Neubau – Der entscheidende Unterschied
  • Die richtige Farbe für Ihren Keller
  • Untergrund richtig vorbereiten
  • Schritt für Schritt: Keller streichen
  • Besonderheiten beim Kellerboden streichen
  • Häufige Fehler vermeiden
  • Wann Sie den Profi beauftragen sollten
  • Fazit: Die Basis für einen gesunden Keller

Dieser Ratgeber erklärt, welche Farben für Ihren Keller geeignet sind und wie Sie Alt- und Neubaukeller unterschiedlich behandeln.

Altbau oder Neubau – Der entscheidende Unterschied

Bevor Sie zum Pinsel greifen, müssen Sie den Zustand und das Alter Ihres Kellers einschätzen. Die Bauweise bestimmt massgeblich, welche Farbe Sie verwenden dürfen und wie Sie vorgehen müssen.

Altbaukeller vor 1980

Altbaukeller mit Natursteinmauerwerk und sichtbaren Fugen

Keller in Gebäuden vor etwa 1980 verfügen meist nicht über moderne Feuchtigkeitssperren. Die Wände liegen direkt im Erdreich und sind permanent Bodenfeuchtigkeit ausgesetzt. Das ist kein Fehler, sondern Teil eines durchdachten Klimasystems. Die Wände können Feuchtigkeit aufnehmen und über die Oberfläche wieder abgeben.

Historische Kellerfenster waren absichtlich etwas undicht konstruiert. Dies ermöglichte einen konstanten Luftaustausch, der die Kellerfeuchte regulierte. Viele Feuchtigkeitsprobleme entstanden erst durch nachträglichen Einbau luftdichter Fenster.

Typische Merkmale:

  • Unverputztes Mauerwerk aus Naturstein oder Backstein
  • Kalk- oder Zementputz
  • diffusionsoffene Oberflächen
  • erdberührende Aussenwände ohne Abdichtung

Neubaukeller nach 1990

Raum vorbereiten:

Moderne Keller verfügen über professionelle Abdichtungssysteme. Bitumen- oder Kunststoffbahnen an den Aussenwänden verhindern das Eindringen von Feuchtigkeit. Der Boden ist mit einer Dampfsperre versehen. Kellerfenster sind isoliert und luftdicht.

Diese Keller verhalten sich klimatisch wie normale Wohnräume. Feuchtigkeitsprobleme sollten hier nicht auftreten. Falls doch, liegt ein Baumangel vor und die Abdichtung muss vor dem Streichen repariert werden.

Punkt Altbaukeller vor 1980 Neubaukeller nach 1990
Feuchtigkeitsschutz meist keine modernen Feuchtigkeitssperren professionelle Abdichtungssysteme
Wände liegen direkt im Erdreich und sind permanent Bodenfeuchtigkeit ausgesetzt Bitumen- oder Kunststoffbahnen an den Aussenwänden verhindern das Eindringen von Feuchtigkeit
Fenster historische Kellerfenster waren absichtlich etwas undicht konstruiert Kellerfenster sind isoliert und luftdicht
Verhalten Wände können Feuchtigkeit aufnehmen und über die Oberfläche wieder abgeben verhalten sich klimatisch wie normale Wohnräume
Hinweis bei Problemen Feuchtigkeit ist Teil des Klimasystems falls Feuchtigkeitsprobleme auftreten, liegt ein Baumangel vor

Wichtig bei Neubaukellern: Tritt trotz moderner Abdichtung Feuchtigkeit oder Schimmel auf, bekämpfen Sie nicht die Symptome mit Spezialfarben. Lassen Sie Wände, Boden, Abdichtungen und Drainage von einem Fachmann überprüfen. Erst nach professioneller Trocknung und Reparatur können Sie streichen.

Die richtige Farbe für Ihren Keller

Kalkfarbe – der biologische Klassiker

Kalkfarbe besteht aus gelöschtem Kalk, Wasser und mineralischen Pigmenten. Sie enthält weder Konservierungsstoffe noch Weichmacher oder Lösungsmittel.

Die Besonderheit: Kalkfarbe bildet keine geschlossene Schicht. Beim Trocknen carbonisiert der Kalk mit Kohlendioxid aus der Luft und verbindet sich mit dem Untergrund. Die Wand bleibt diffusionsoffen und kann atmen.

Vorteile:

  • Der hohe pH Wert von etwa zwölf verhindert Schimmelbildung.
  • Die desinfizierende Wirkung bekämpft Bakterien.
  • Die feuchtigkeitsregulierende Eigenschaft nimmt Luftfeuchtigkeit auf und gibt sie kontrolliert wieder ab.
  • Die Zusammensetzung ist vollständig umweltfreundlich.

Kalkfarbe eignet sich für unverputztes Mauerwerk aus Naturstein, Backstein oder Sandstein, Kalk- und Zementputze sowie Lehmputz. Bei Lehmputz ist Kalkfarbe die einzige Option.

Die Verarbeitung ist anspruchsvoll. Kalkfarbe ist dünnflüssig und muss in drei bis vier Schichten aufgetragen werden. Ein Zusatz von etwas Leinöl verhindert das typische Abmehlen der Oberfläche.

Silikatfarbe – Die robuste Alternative

Silikatfarbe besteht aus Kaliwasserglas und mineralischen Pigmenten. Wie Kalkfarbe verbindet sie sich chemisch mit dem Untergrund durch Verkieselung. Die Poren bleiben offen und die Wand diffusionsfähig.

Silikatfarben sind hoch alkalisch und wirken schimmel- und bakterienhemmend. Sie sind abriebfester als Kalkfarbe, decken oft bereits beim ersten Anstrich und lassen sich einfacher verarbeiten.

Wichtig: Achten Sie auf Reinsilikatfarben, erkennbar an zwei getrennten Komponenten. Viele Baumarktprodukte sind Dispersionssilikatfarben mit organischen Bindemitteln, die sich nicht für feuchte Altbaukeller eignen.

Silikatfarbe eignet sich für mineralische Untergründe ausser Lehm, besonders auf kalkverputzte Kellerwände. Der Nachteil ist der höhere Preis.

Silikonharzfarbe – Wasserabweisend und diffusionsoffen

Silikonharzfarben kombinieren wasserabweisende Eigenschaften mit Diffusionsoffenheit. Sie bilden eine mikroporöse Oberfläche. Wasser perlt ab, während Wasserdampf entweichen kann.

Die Struktur erzeugt einen Lotuseffekt, bei dem Schmutz kaum Halt findet. Silikonharzfarben eignen sich für mineralische Untergründe und als Renovierungsanstrich über alte Farben.

Dispersionsfarbe – Nur für trockene Neubaukeller

Normale Dispersionsfarbe dürfen Sie in Altbaukellern nicht verwenden. Sie bildet einen geschlossenen Film, der die Poren versiegelt. Feuchtigkeit kann nicht mehr entweichen und sammelt sich hinter der Farbschicht. Dies führt zu abblätternder Farbe, Schimmelbildung und Mauerwerksschäden.

In gut abgedichteten Neubaukellern können Sie Dispersionsfarbe problemlos einsetzen. Hier gelten dieselben Bedingungen wie in Wohnräumen. Sie können sogar Dekorputz auftragen oder tapezieren, wenn Sie den Keller als Hobbyraum oder zusätzlichen Wohnraum nutzen.

Faustregel für die Farbwahl:

  • Altbaukeller vor 1980: Ausschliesslich Kalk- oder Silikatfarbe
  • Neubaukeller nach 1990: Alle Farben möglich, bevorzugt Dispersionsfarbe
    Unsicher beim Baujahr: Lieber zur mineralischen Farbe greifen

Untergrund richtig vorbereiten

Feuchtigkeitscheck durchführen

Prüfen Sie vor allen Arbeiten den Feuchtigkeitsgehalt der Wände.

Feuchtigkeitscheck durchführen:

  • Kleben Sie ein Stück Alufolie fest an die Wand und warten Sie 24 Stunden.
  • Bilden sich Wassertropfen unter der Folie, ist die Wand zu feucht zum Streichen.

Bei starker Durchfeuchtung müssen Sie zunächst die Ursache beheben. Mögliche Massnahmen sind das Reparieren defekter Drainage, Abdichten von Rissen im Mauerwerk, Verbessern der Belüftung oder professionelles Trockenlegen. Erst wenn die Wände trocken sind, können Sie streichen.

Weitere Informationen zur umfassenden Sanierung finden Sie in unserem Ratgeber zum Keller sanieren. Für bessere Temperaturverhältnisse und Feuchtigkeitskontrolle kann auch eine Kellerdeckendämmung oder Kellerbodenisolierung sinnvoll sein.

Alte Farbe entfernen

Abblätternde Farbe wird mit Spachtel von der Kellerwand entfernt

Entfernen Sie lose oder abblätternde Farbreste gründlich mit einer Drahtbürste oder einem Spachtel. Bei mehreren Farbschichten sollten Sie alles bis auf den Putz abtragen. Alte Dispersionsfarbe verhindert die Haftung von Kalk- oder Silikatfarbe.

Testen Sie an unauffälliger Stelle, welche Farbe verwendet wurde:

  • Bildet sich beim Anfeuchten eine weisse Schlämme, handelt es sich um Kalkfarbe.
  • Diese können Sie überstreichen, ohne sie zu entfernen.

Putz ausbessern

Kontrollieren Sie den Putz auf Schäden. Klopfen Sie die Wand ab und hören Sie auf hohle Stellen. Lose Bereiche müssen Sie entfernen und neu verputzen. Verwenden Sie für die Ausbesserung denselben Putztyp wie das Original.

Gipsputz ist in feuchten Kellern problematisch, da er Feuchtigkeit schlecht verträgt und zur Fäulnis neigt. Falls möglich, entfernen Sie Gipsputz und ersetzen Sie ihn durch Kalk- oder Zementputz. Ist dies nicht machbar, behandeln Sie die Fläche mit spezieller Grundierung.

Füllen Sie Risse und Löcher mit Spachtelmasse. Schleifen Sie nach dem Trocknen die Stellen glatt. Bei Salzausblühungen bürsten Sie diese gründlich ab. Die weissen Flecken entstehen, wenn im Mauerwerk gelöste Salze an die Oberfläche wandern. Behandeln Sie die Bereiche mit Salzausblühungsentferner aus dem Fachhandel.

Grundierung auftragen

Bei stark saugenden Untergründen oder sandenden Putzflächen tragen Sie einen Tiefengrund auf. Dieser verfestigt den Untergrund und verbessert die Haftung der Farbe. Lassen Sie die Grundierung laut Herstellerangabe vollständig trocknen, meist 24 bis 48 Stunden.

Schritt für Schritt: Keller streichen

Schritt 1: Vorbereitung des Raums

Räumen Sie den Keller soweit möglich leer.

Raum vorbereiten:

  • Schützen Sie verbleibende Gegenstände mit Abdeckfolie.
  • Kleben Sie Steckdosen, Lichtschalter und Kellerfenster mit Malerkrepp ab.
  • Decken Sie den Boden grossflächig ab, besonders bei dünnflüssigen Kalkfarben.

Sorgen Sie für ausreichend Beleuchtung. Keller sind oft schlecht beleuchtet und Sie müssen Unebenheiten oder vergessene Stellen erkennen können. Eine Baustrahler oder LED-Strahler ist hier hilfreich.

Schritt 2: Farbe vorbereiten

Rühren Sie die Farbe vor Gebrauch gründlich um.

Farbe vorbereiten:

  • Bei Reinsilikatfarbe mischen Sie die beiden Komponenten nach Herstellerangabe.
  • Bei Kalkfarbe können Sie etwas Leinöl hinzufügen, etwa zwei bis drei Prozent der Gesamtmenge.
  • Dies verbessert die Verarbeitung und reduziert das Abmehlen.

Verdünnen Sie die erste Schicht mineralischer Farben mit etwa zehn Prozent Wasser. Dies verbessert das Eindringen in den Untergrund. Weitere Schichten tragen Sie unverdünnt auf.

Schritt 3: Streichvorgang

Beginnen Sie mit den Ecken und Kanten. Verwenden Sie einen breiten Pinsel und streichen Sie sorgfältig entlang der Übergänge. Erst dann nehmen Sie die Rolle für die Flächen.

So gehen Sie beim Streichen vor:

  • Arbeiten Sie bei grossen Flächen zu zweit. Eine Person streicht mit dem Pinsel vor, die andere folgt mit der Rolle.
  • So vermeiden Sie sichtbare Ansätze.
  • Tragen Sie die Farbe zügig und gleichmässig auf.
  • Arbeiten Sie von oben nach unten in vertikalen Bahnen.

Bei Kalk- und Silikatfarbe müssen Sie mehrere Schichten auftragen. Lassen Sie jede Schicht vollständig trocknen, bevor Sie die nächste auftragen. Die Trocknungszeit beträgt je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit zwölf bis 24 Stunden. Insgesamt benötigen Sie meist drei bis vier Durchgänge für ein deckendes Ergebnis.

Schritt 4: Richtig lüften

Während und nach dem Streichen ist gute Belüftung wichtig.

So lüften Sie richtig:

  • Öffnen Sie alle Fenster und sorgen Sie für Durchzug.
  • Dies beschleunigt die Trocknung und verhindert Feuchtigkeitsansammlung.
  • Bei mineralischen Farben unterstützt die Luftzirkulation den Carbonisierungs- oder Verkieselungsprozess.

Vermeiden Sie jedoch Zugluft bei sehr niedrigen Aussentemperaturen oder extrem trockener Luft. Zu schnelles Trocknen kann bei Kalkfarbe zu Rissen führen.

Besonderheiten beim Kellerboden streichen

Auch Kellerböden können Sie streichen, allerdings gelten hier spezielle Regeln. Bei Kellerböden vor 1990 fehlt meist die Dampfsperre. Diese diffusionsoffenen Böden dürfen nicht mit versiegelnden Farben gestrichen werden.

Moderne Kellerböden mit Dampfsperre können Sie mit speziellen Betonfarben oder Zementfarben behandeln. Diese sind abriebfest, chemikalienbeständig und pflegeleicht. Wichtig ist die richtige Vorbereitung mit Schleifen, Reinigen und Grundieren.

Im Heizungskeller müssen Sie aufgrund von Brandschutzbestimmungen ölfeste Farbe verwenden. Diese ist beständig gegen Öl, Benzin und Diesel. Detaillierte Informationen zur Kellerbodenisolierung finden Sie in unserem separaten Ratgeber.

Häufige Fehler vermeiden

Verwendung von Dispersionsfarbe in Altbaukellern. Die versiegelte Oberfläche verhindert den Feuchtigkeitsaustausch und führt zu Schimmel. Auch zu dicker Farbauftrag bei mineralischen Farben ist problematisch. Tragen Sie lieber mehrere dünne Schichten auf.

Unzureichende Vorbereitung rächt sich später. Nicht entfernte Salzausblühungen oder lose Putzstellen führen zu abblätternder Farbe. Investieren Sie ausreichend Zeit in die Vorbereitung.

Streichen auf feuchten Wänden ist zwecklos. Die Farbe haftet nicht richtig und Sie verschwenden Material und Arbeitszeit. Beheben Sie zunächst die Feuchtigkeitsursache.

Wann Sie den Profi beauftragen sollten

Für einfaches Streichen eines trockenen Neubaukellers benötigen Sie keinen Fachmann. Bei Altbaukellern mit Feuchtigkeitsproblemen, Schimmelbefall oder starken Putzschäden sollten Sie jedoch einen Maler oder Sanierungsbetrieb konsultieren.

Profis erkennen die Ursachen von Feuchtigkeit und können beurteilen, ob eine umfassende Kellersanierung nötig ist. Sie kennen die richtigen Produkte und Verarbeitungstechniken für problematische Untergründe. Ein fachmännischer Anstrich hält deutlich länger und vermeidet kostspielige Folgeschäden.

Einen Überblick über die Kosten für Keller streichen finden Sie auf unserer Kostenseite. Dort sehen Sie, mit welchen Ausgaben Sie für professionelle Malerarbeiten rechnen müssen.

Fazit: Die Basis für einen gesunden Keller

Die Wahl der richtigen Farbe nach Kellertyp ist entscheidend. In Altbaukellern sind mineralische Farben wie Kalk- oder Silikatfarbe unverzichtbar, da nur diese die notwendige Diffusionsoffenheit gewährleisten.

Investieren Sie ausreichend Zeit in die Vorbereitung. Trockene, saubere und gut verspachtelte Wände sind entscheidend. Bei Feuchtigkeitsproblemen lohnt sich die Beratung durch einen Fachmann.

Weitere Massnahmen zur Verbesserung Ihres Kellers finden Sie in unserem Ratgeber zur Kellerisolierung. Für professionelle Malerarbeiten finden Sie auf Ofri qualifizierte Handwerker, die Sie unterstützen.

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