Wann Sie Fliesen schneiden lassen sollten
Wer Fliesen schneiden lassen will, hat meist einen konkreten Anlass: eine Randreihe, die nicht aufgeht, eine Aussenecke oder eine Aussparung um ein Rohr. Ein gerader Schnitt durch eine gewöhnliche Wandfliese gelingt noch mit einem handgeführten Fliesenschneider.
Sobald das Material härter, dicker oder teurer wird, kippt die Rechnung. Eine gesprungene Grossformatplatte kostet schnell mehr als der ganze Zuschnitt beim Fachbetrieb. Dazu kommen Schnitte, die freihändig kaum gelingen. Wie der Zuschnitt in Eigenregie funktioniert, lesen Sie im Ratgeber Fliesen selbst schneiden.
Sie haben die Fliesen schon gekauft? Die meisten Betriebe bearbeiten auch angeliefertes Material, ohne dass Sie es bei ihnen bezogen haben. Nennen Sie in der Offertenanfrage Material, Stärke und Anzahl der Schnitte, dann werden die Preise vergleichbar.
Diese Schnitte übernimmt der Fachbetrieb
Nicht jeder Auftrag verlangt dieselbe Maschine. Diese fünf Fälle machen den grössten Teil der Anfragen aus.
1. Gerade Schnitte und Sockelleisten
Der häufigste Auftrag ist das Kürzen auf Mass, etwa für eine Randreihe oder einen Sockel aus dem gleichen Material. Abgerechnet wird meist nach Laufmeter Schnittlänge. Halten Sie deshalb die Gesamtlänge bereit und nicht nur die Stückzahl.
2. Gehrungsschnitte auf 45 Grad
An Aussenecken werden zwei Fliesen schräg durch die Materialstärke geschnitten, damit keine Abschlussschiene sichtbar bleibt. Das verlangt eine Nassfliesensäge mit neigbarem Sägekopf und eine ruhige Führung. Von Hand wird die Kante selten sauber.
3. Rundungen, Löcher und Aussparungen
Bohrungen für Armaturen, Ausschnitte für Steckdosen, halbrunde Aussparungen um Rohre: dafür kommen Diamantbohrkronen, Lochsägen oder der Wasserstrahl zum Einsatz. Je näher der Ausschnitt an der Kante liegt, desto höher das Bruchrisiko.
4. Grossformat und starke Bodenplatten
Platten im Format 120 mal 260 Zentimeter oder Terrassenplatten mit 20 Millimeter Stärke lassen sich ohne Brückensäge kaum bewegen, geschweige denn sauber trennen. Betriebe arbeiten hier mit Vakuumhebern und geführtem Schnitt. Denselben Aufwand verlangen Bodenplatten aus Beton.
5. Empfindliche Materialien
Glasmosaik, Marmor und poliertes Feinsteinzeug splittern an der Kante, sobald Körnung und Segmentierung der Trennscheibe nicht zum Material passen. Fachbetriebe wechseln die Scheibe und schleifen die Schnittkante anschliessend nach. Bei Naturstein ist ein Steinmetz oft die bessere Adresse als der Plattenleger.
Welche Verfahren die Betriebe einsetzen
Die Nassfliesensäge ist das Arbeitspferd im Zuschnitt. Ein wassergekühltes Diamantblatt zieht die Fliese durch, das Wasser bindet den Staub und kühlt die Kante. Für Gehrungen lässt sich der Sägekopf neigen.
Der Winkelschleifer mit Diamanttrennscheibe ist mobil und kommt auf der Baustelle zum Einsatz, hinterlässt aber eine rauere Kante. Trocken geschnitten entsteht dabei Quarzstaub, der die Lunge dauerhaft schädigt. Die Suva warnt vor Silikose und verlangt Absaugung oder Nassschnitt.
Beim Wasserstrahlschneiden trennt ein Hochdruckstrahl mit Schleifmittel die Platte, ohne Hitze und ohne Druck auf die Kante. Damit sind Formen möglich, die keine Säge schafft: Kreise, Bögen, eingelegte Muster. Anlagen dieser Art gibt es in der Schweiz nur wenige.
Je ungewöhnlicher die Form, desto eher führt der Weg zum Wasserstrahl statt zur Säge.
Wer den Zuschnitt übernimmt
Zuständig ist in der Regel der Plattenleger, denn er schneidet ohnehin täglich und hat Nassfliesensäge und Bohrkronen im Betrieb. Steinmetze und Natursteinbetriebe kommen ins Spiel, sobald Marmor, Granit oder dicke Aussenplatten anstehen. Reine Zuschneidereien mit Brückensäge oder Wasserstrahl arbeiten meist für Handel und Handwerk, nehmen aber oft auch Privataufträge an.
Achtung: Der Zuschnittdienst im Baumarkt gilt meist nur für dort gekaufte Ware, deckt ausschliesslich gerade Schnitte ab und schliesst Bruch aus. Für Gehrungen, Ausschnitte oder hartes Feinsteinzeug ersetzt er den Fachbetrieb nicht.
Gehört der Zuschnitt zu einer grösseren Arbeit, vergeben Sie ihn sinnvollerweise gleich mit. Wer Platten legen lässt, bekommt das Schneiden als Teil der Leistung, ebenso beim Natursteinplatten verlegen. In der Küche grenzt das Arbeitsplatte zuschneiden direkt daran an.
Wo Sie in der Schweiz Fliesen schneiden lassen
Fliesen schneiden lassen können Sie in allen grösseren Regionen: in Zürich, Basel und Bern ebenso wie in Luzern, St. Gallen, Aarau, Olten, Baden, Frauenfeld, Thun oder Wil. Für wenige Schnitte lohnt sich eine weite Anfahrt selten. Viele Betriebe verrechnen deshalb eine Wegpauschale oder schneiden gleich vor Ort auf der Baustelle.
Bei Spezialverfahren sieht es anders aus. Wer eine Platte mit dem Wasserstrahl bearbeiten lassen möchte, findet dafür nicht in jedem Kanton einen Betrieb und nimmt für den einen richtigen Schnitt auch eine längere Fahrt in Kauf.
So läuft der Auftrag ab
- Schnittart, Material, Stärke und Gesamtlänge zusammenstellen und Offerten einholen.
- Angebote vergleichen: Preis, Termin und ob Anlieferung oder Schnitt vor Ort vorgesehen ist.
- Fliesen anliefern oder den Betrieb auf die Baustelle bestellen, mit Reserve für Bruch.
- Zuschnitt ausführen lassen und bei Sichtkanten die erste Fliese vorab abnehmen.
- Ware kontrollieren, Kanten auf Ausbrüche prüfen und erst dann bezahlen.
Wer diese Angaben schon in der Anfrage macht, bekommt vergleichbare Offerten statt grober Schätzungen. Fehlt die Materialangabe, rechnen Betriebe vorsichtshalber den ungünstigsten Fall.
Woran Sie einen guten Betrieb erkennen
Eine brauchbare Offerte lässt erkennen, was gerechnet wurde. Ein Betrieb, der nach Schnittart und Laufmeter aufschlüsselt, ist berechenbarer als einer mit einer Pauschale ohne Angaben.
Darauf achten Sie beim Vergleich:
- Sind Schnittart, Laufmeter und Stückzahl einzeln ausgewiesen?
- Ist geregelt, wer für Bruch während des Zuschnitts aufkommt?
- Wird nass geschnitten oder mit Absaugung gearbeitet?
- Werden Sichtkanten nachgeschliffen oder bleibt der rohe Schnitt?
- Gibt es einen verbindlichen Termin, auch für kleine Mengen?
Fragen Sie zusätzlich nach Referenzen mit demselben Material. Ein Betrieb, der regelmässig Grossformat schneidet, arbeitet schneller und mit weniger Ausschuss als einer, der es selten tut.
Womit Sie beim Zuschnitt rechnen müssen
Fachbetriebe verrechnen ihre Arbeit in der Regel mit einem Stundenansatz zwischen CHF 75.- und CHF 120.-. Kleine Aufträge laufen häufig über eine Mindestpauschale, weil Rüstzeit und Anfahrt unabhängig von der Zahl der Schnitte anfallen. Anlieferung, Nachschleifen und Sonderformen kommen dazu.
Wie viel der Zuschnitt im Rahmen eines ganzen Bodens ausmacht, zeigen die Kosten für das Verlegen von Fliesen. Verbindlich wird es allerdings erst mit der Offerte: Für dieselben zehn Schnitte liegen die Angebote oft deutlich auseinander.
Lieber schneiden lassen als selbst schneiden? Beschreiben Sie Ihren Auftrag einmal und erhalten Sie kostenlos mehrere Offerten von geprüften Betrieben aus Ihrer Region.
